my white gaze

2019

Brooklyn, NY

interactive performanceproject

We Whites like to believe we don’t see race or we are all the same. But being White means to see the world through a colored lens. Our gaze perceives the world through our white bodies.

 

We tend to think that we don’t see color. We want to believe in our colorblind way of seeing. We want to fight for a world where no white gaze will exist. But therefor we must see colors first. We must acknowledge how white our gaze is. How the world is shaped through our lenses and reassures white power, hegemony and privilege. How it is tied to historical forces, to values, assumptions, desires, fears and paranoia.

 

We have to admit how violent our white gazing is.

 

To look at my white body through a mirror, to look at my white body through the eyes of a black body, that means to think beyond the frame of that single visual moment, to link this visual moment with the reality of a socio-historical temporality and to enlarge my frame of reference.

 

It means coming to know that my white body has a racial meaning, that his skin color is not neutral, but embodies the color of the story of domination and oppression. It means coming to terms with the ways my white body is marked by history - a history I did not create but perpetuate.

Amani_edited.jpg

MY WHITE GAZE - history of origination

 

In the course of a one-year research stay in New York, I was deeply involved in the role of whiteness in the international context of feminist concerns and strategies. In my work, I focus on the selective perception of the white woman, whereby my approach is subject to a self-critical view finding its expression in performative settings. In direct personal interaction, a visual dialogue emerges, shaped by the power mechanisms of race, class and gender. By critically exposing myself as a dominant subject I try to contribute to the anti-racist struggle.

 

In the international slave trade Charleston (South Carolina) was one of the most important ports and transshipment points - between 1670 and 1865 up to the 20 million Africans were sold there. In Summer 2019 I went there to assist my black friend in her research on her ancestors. On the spot I bought an antique silver make-up mirror set such as domestic slaves used to straighten their mistresses' hair.

 

Back in NYC I asked acquaintances and strangers on the street, playgrounds, neighborhood parties, parks and the beach if they wanted to participate in my project. I faced the delicate task of explaining my concept as sensitively as possible, respectfully and empathically. Because in this setting power, defense, self-protection, discrimination, appropriation, instrumentalization and exploitation play an essential role. The conversation that unfolded then is to be understood as an essential aspect of the whole project. When the Participants agreed, they held the mirror upside down in front of their faces so that they were refusing my gaze - which is fed by white hegemonic narratives. In maintaining their autonomy they throw my gaze back on me. For the shooting, I used my cell phone camera, and together we selected the best photos which I sent them via Instagram, WhatsApp or Facebook.

DER WEISSER BLICK

 

Wir Weißen glauben gerne, dass Hautfarbe nichts bedeutet und wir sie nicht sehen oder dass wir alle gleich sind. Weiß zu sein bedeutet jedoch, die Welt durch eine farbige Linse zu sehen. Unsere weißen Körper bestimmen unsere Weltsicht.

 

Wir Weißen glauben, dass wir keine Farbe sehen. Wir wollen an unsere Farbenblindheit glauben. Wir wollen für eine Welt kämpfen, in der Farben keine Rolle spielen. Aber dafür müssen wir zuallererst Farben sehen. Wir müssen anerkennen, wie weiß unser Blick ist. Wie sich die Welt mithilfe unserer Linsen gestaltet und weiße Macht, Hegemonie und Privilegien sichert. Und wie sehr unser Blick an historische Kräfte, an Werte, Annahmen, Wünsche, Ängste und Paranoia gebunden ist.

 

Wir müssen zugeben, wie gewalttätig unser weißer Blick ist.

 

Meinen weißen Körper durch einen Spiegel zu betrachten, meinen weißen Körper durch die Augen eines schwarzen Körpers zu betrachten, bedeutet, über den Rahmen dieses einzelnen visuellen Moments hinaus zu denken - diesen visuellen Moment mit der Realität einer soziohistorischen Zeitlichkeit zu koppeln und meinen Bezugsrahmen zu erweitern.

 

Es bedeutet anzuerkennen, dass mein weißer Körper sich in dem Kontinuum einer Geschichte von Gewalt und Rassismus bewegt; dass seine Hautfarbe nicht neutral ist, sondern die Farbe von Dominanz und Unterdrückung verkörpert. Es heißt sich damit auseinanderzusetzen, wie mein weißer Körper von dieser Geschichte geprägt ist; einer Geschichte, die ich nicht geschaffen habe aber konstant reproduziere.

MY WHITE GAZE - Entstehungsgeschichte

 

Im Zuge eines einjährigen Forschungsaufenthaltes (2017/18) in New York habe mich intensiv zu der Rolle von weiß-sein im internationalen Kontext feministischer Anliegen und Strategien auseinandergesetzt. In  meinen Arbeiten fokussiere ich mich auf die selektive Wahrnehmung der weißen Frau, wobei meine Herangehensweise einem selbstkritischen Blick unterliegt, der in performativen Settings seinen Ausdruck findet. In direkter persönlicher Interaktion entsteht ein visueller Dialog, der von den Machtmechanismen Race, Class und Gender geprägt ist, mich als dominantes Subjekt entblößt und als persönlicher Versuch, eine Rolle im antirassistischen Widerstand einzunehmen, zu verstehen ist.

 

Im internationalen Sklavenhandel war Charleston (South Carolina) einer der wichtigsten Häfen und Umschlagplätze. Zwischen 1670 und 1865 wurden dort an die 20 Millionen Afrikaner*innen verkauft. Im Sommer 2019 begleitete eine schwarze Freundin dorthin, um sie bei der Recherche zu ihren Vorfahren zu unterstützen.  Vor Ort erwarb ich ein antikes silbernes Schminkspiegelset - eines wie ihn Haussklavinnen benutzten, um ihren Herrinnen die Haare zu richten.

 

Zurück in NYC habe ich Bekannte und Fremde auf der Straße, auf Spielplätzen, bei Nachbarschaftsfesten, in Parks und am Strand gefragt, ob sie an meinem Projekt teilnehmen wollen. Ich stand dabei vor der heiklen Aufgabe, mein Konzept möglichst sensibel, respektvoll und empathisch zu erklären, denn in diesem Setting spielen Macht, Abwehr, Selbstschutz, Diskriminierung, Inbesitznahme, Instrumentalisierung und Ausbeutung eine fundamentale Rolle. Die Konversation, die sich dabei entfaltete ist als wesentlicher Aspekt des gesamten Projektes zu verstehen. Die Teilnehmer*innen hielten sich dann den Spiegel verkehrt herum vor das Gesicht. Dabei verweigern sie meinen  Blick, der von weißen hegemonialen Erzählungen gespeist ist, werfen ihn auf mich zurück und behaupten so ihre Autonomie. Auf meinem Handy, das ich für das Shooting verwendete, betrachteten wir die Fotos und wählten gemeinsam die besten Bilder aus, die ich ihnen schließlich über Instagram, WhatsApp oder Facebook schickte.